Ratgeber
Makler oder Vertreter? Der Unterschied entscheidet, wer auf deiner Seite steht.
Beide beraten dich zu Versicherungen, beide stellen dir keine Rechnung. Trotzdem ist der Unterschied zwischen Makler und Vertreter der wichtigste Punkt, den du vor einem Beratungstermin kennen solltest. Er bestimmt, wie viel Markt du zu sehen bekommst und wem der Mensch verpflichtet ist, der dir etwas empfiehlt.
Rechtlicher Rahmen
Makler oder Vertreter: der Unterschied steht im Gesetz.
Das Versicherungsvertragsgesetz trennt die beiden Rollen sauber. Nach § 59 VVG ist Versicherungsvertreter, wer von einem Versicherer damit betraut ist, Verträge zu vermitteln oder abzuschließen. Versicherungsmakler ist dagegen, wer die Vermittlung für den Auftraggeber übernimmt, also für dich, ohne von einem Versicherer damit betraut zu sein.
Das klingt nach Formalie, ist aber der Kern der Sache. Ein Vertreter arbeitet im Lager des Versicherers, eine Maklerin arbeitet in deinem. Die Rechtsprechung nennt den Makler deshalb den treuhänderischen Sachwalter seines Kunden. Das ist keine Werbefloskel, sondern der Grund, warum für beide Berufe unterschiedliche Pflichten gelten.
Wichtig dabei: Beides ist legitim. Ein Vertreter macht nichts Verbotenes, wenn er nur die Produkte seines Hauses zeigt. Er macht genau das, wofür er beauftragt wurde. Du solltest nur wissen, dass er beauftragt wurde, und zwar nicht von dir.
Pflichten
Was das für deine Beratung bedeutet.
Eine Maklerin muss ihrem Rat eine hinreichende Zahl der am Markt angebotenen Verträge und Versicherer zugrunde legen und diesen Rat begründen, so steht es in § 60 VVG. Sie muss dich nach deinen Wünschen und Bedürfnissen befragen, beraten und das Ganze dokumentieren (§ 61 VVG). Macht sie dabei Fehler, haftet sie dafür (§ 63 VVG), abgesichert über eine gesetzlich vorgeschriebene Vermögensschadenhaftpflicht.
Ein Vertreter berät ebenfalls und dokumentiert ebenfalls. Nur kann er die Marktbreite gar nicht liefern, weil sein Sortiment an einem Haus endet. Selbst der beste Vertreter der besten Gesellschaft darf dir nicht sagen, dass in deinem Fall ein anderer Anbieter die bessere Wahl wäre. Das ist keine Frage des Charakters, sondern der Konstruktion.
Was eine Maklerin schuldet
- Vergleich einer hinreichenden Zahl von Versicherern am Markt.
- Eine Begründung, warum genau dieser Tarif empfohlen wird.
- Dokumentation der Beratung, schriftlich und nachlesbar.
- Haftung für Fehler, abgesichert über eine Pflichtversicherung.
- Interessenvertretung auch nach dem Abschluss, etwa im Schadenfall.
Was ein gebundener Vertrieb nicht kann
- Tarife anbieten, die nicht aus dem eigenen Haus stammen.
- Dir sagen, dass ein Wettbewerber die bessere Lösung hätte.
- Im Schadenfall gegen den eigenen Auftraggeber argumentieren.
- Dich weiter betreuen, wenn du den Anbieter wechselst.
- Einen echten Marktvergleich als Pflicht erfüllen, denn er schuldet ihn nicht.
Vergütung
Wer bezahlt das eigentlich?
Beide werden über den Beitrag vergütet. Beim Makler heißt das Courtage, beim Vertreter Provision. In beiden Fällen ist der Betrag bereits im Beitrag des Versicherers einkalkuliert. Dein Beitrag wird also nicht teurer, weil du dich von einer Maklerin beraten lässt.
Auch der Direktabschluss ohne Vermittler ist übrigens nicht vertriebskostenfrei. Dort stecken die Kosten in Werbung, Callcentern und Eigenvertrieb. Der Unterschied zwischen Makler und Vertreter liegt deshalb nicht im Preis. Er liegt darin, wie viel Markt du für dasselbe Geld zu sehen bekommst.
| Kriterium | Versicherungsmakler | Versicherungsvertreter |
|---|---|---|
| Auftraggeber | Der Kunde | Der Versicherer |
| Produktauswahl | Der breite Markt, über 100 Versicherer | Das eigene Haus |
| Marktvergleich | Gesetzliche Pflicht nach § 60 VVG | Nicht geschuldet |
| Vergütung | Courtage, im Beitrag enthalten | Provision, im Beitrag enthalten |
| Haftung für Beratungsfehler | Eigene Haftung mit Pflichtversicherung | Beim gebundenen Vertreter übernimmt oft der Versicherer die Haftung |
| Im Schadenfall | Vertritt die Interessen des Kunden | Arbeitet im Lager des Versicherers |
Praxis
So erkennst du in zwei Minuten, mit wem du sprichst.
Du musst dafür niemanden in Verlegenheit bringen. Drei Handgriffe reichen, und alle drei stehen dir rechtlich zu.
-
01
Erstinformation lesen
Jeder Vermittler muss dir beim ersten Geschäftskontakt eine Erstinformation aushändigen. Darin steht schwarz auf weiß, ob er als Makler oder als Vertreter tätig ist und welche Erlaubnis nach § 34d GewO vorliegt.
-
02
Vermittlerregister prüfen
In der Erstinformation steht auch eine Registernummer. Das Vermittlerregister ist öffentlich, du kannst dort kostenlos nachsehen, ob die Angaben stimmen und in welcher Rolle jemand eingetragen ist.
-
03
Eine Frage stellen
Frag im Gespräch einfach: In wessen Auftrag arbeiten Sie? Die Antwort erklärt fast alles, was danach kommt. Warum bestimmte Produkte vorkommen und andere nicht, und wer im Ernstfall neben dir steht.
Übrigens Wer ausschließlich Produkte einer einzigen Marke zeigt, ist in aller Regel gebunden. Ein gebundener Vertreter kann sogar ganz ohne eigene Erlaubnis arbeiten, weil der Versicherer die Haftung für ihn übernimmt.
Einordnung
Und was ist mit Vergleichsportalen?
Vergleichsportale sind praktisch für einen ersten Eindruck, aber sie bilden nicht den gesamten Markt ab. Sie zeigen die Anbieter, mit denen sie kooperieren, und sortieren meist nach Preis. Der Preis ist bei Versicherungen allerdings die am wenigsten aussagekräftige Größe: Zwei Tarife mit identischem Beitrag können sich in Deckungssumme, Ausschlüssen, Wartezeiten und Kündigungsregeln fundamental unterscheiden.
Ein Portal beantwortet die Frage, was etwas kostet. Es beantwortet nicht die Frage, was passiert, wenn etwas passiert. Und nach dem Abschluss bist du dort ein Vorgang, keine Person. Im Schadenfall stehst du mit dem Versicherer allein.
Fazit
Eine einzige Frage genügt.
Wenn dich jemand zu Versicherungen berät, lohnt sich die Frage: In wessen Auftrag arbeiten Sie? Beide Antworten sind erlaubt, beide Modelle haben ihren Platz. Aber nur eine der beiden Antworten bedeutet, dass die Person rechtlich verpflichtet ist, den Markt für dich zu vergleichen, ihre Empfehlung zu begründen und im Ernstfall deine Interessen zu vertreten.
Ich habe mich für die Maklerseite entschieden, weil ich Empfehlungen nur aussprechen will, wenn ich vorher vergleichen durfte. Wie das in der Praxis aussieht und wofür ich stehe, findest du auf der Startseite. Und wenn du erst einmal nur eine Frage hast, ist genau das der normale erste Schritt, nicht die Ausnahme.
Nächster Schritt
Gelesen ist gut. Nachgefragt ist besser.
Schick mir die Frage, die beim Lesen offen geblieben ist, oder gleich deine Police. Du bekommst eine ehrliche Ersteinschätzung: kostenlos, unverbindlich und ohne Fachchinesisch.